Feuerverzinkung oder Lackierung – beide Verfahren können Stahlbauteile wirksam gegen Korrosion schützen. Trotzdem sind sie nicht für jede Rohrbefestigung und jede Einsatzumgebung gleichermaßen geeignet.
Bei der Auswahl sollten Sie deshalb nicht nur die gewünschte Schutzwirkung betrachten. Auch mechanische Beanspruchung, Bauteilgeometrie, Farbgebung, spätere Ausbesserungen und die konkrete Umgebungsbelastung spielen eine Rolle.
Für Rohrschellen, Rohrhalter und Rohrschlitten bedeutet das: Die technisch passende Oberfläche ergibt sich immer aus dem tatsächlichen Einsatzfall.
Feuerverzinkung und Lackierung schützen Stahl auf unterschiedliche Weise
Der wichtigste Unterschied liegt im Aufbau des Korrosionsschutzes.
Beim Feuerverzinken wird ein gefertigtes Stahlbauteil in eine Zinkschmelze eingetaucht. Dabei entsteht auf dem Stahl ein metallischer Zinküberzug. Die Anforderungen und Prüfungen für stückverzinkte Eisen- und Stahlbauteile werden in DIN EN ISO 1461 beschrieben.
Eine Lackierung bildet dagegen eine organische Schutzschicht auf der vorbereiteten Stahloberfläche. Je nach Anforderung kann das System beispielsweise aus Grundierung, Zwischenbeschichtung und Deckbeschichtung bestehen. Beschichtungssysteme zum Korrosionsschutz von Stahlbauten werden unter anderem in der Normenreihe DIN EN ISO 12944 behandelt.
Beide Systeme verfolgen dasselbe Ziel: Feuchtigkeit und weitere korrosive Einflüsse sollen das Grundmaterial möglichst nicht angreifen können. Die technischen Eigenschaften unterscheiden sich jedoch deutlich.
Feuerverzinkung oder Lackierung im direkten Vergleich
| Kriterium | Feuerverzinkung | Lackierung |
|---|---|---|
| Schutzsystem | metallischer Zinküberzug | organisches Beschichtungssystem |
| Mechanische Belastbarkeit | hohe Widerstandsfähigkeit des Zinküberzugs | abhängig vom eingesetzten Lacksystem |
| Schutz an Kanten | verfahrensbedingt auch an Kanten vorhanden | sorgfältige Oberflächenvorbereitung und Beschichtung besonders wichtig |
| Farbgestaltung | typische Zinkoberfläche | große Auswahl an Farben und Oberflächen möglich |
| Anpassung an spezielle Medien | begrenzt durch Beständigkeit von Zink | Beschichtungssystem kann gezielt auf Anforderungen abgestimmt werden |
| Ausbesserungen | lokale Reparaturen möglich, müssen fachgerecht ausgeführt werden | Beschädigungen können abhängig vom System lokal instand gesetzt werden |
| Bauteilgeometrie | Konstruktion muss für das Tauchverfahren geeignet sein | auch Teilbeschichtungen und definierte Beschichtungsbereiche möglich |
| Kombination beider Verfahren | als Duplex-System möglich | als Deckbeschichtung auf Feuerverzinkung möglich |
Eine pauschale Antwort auf die Frage „Feuerverzinkung oder Lackierung?“ gibt es daher nicht. Für eine wirtschaftliche Lösung sollten Sie die Oberfläche immer zusammen mit Werkstoff, Konstruktion und Einsatzbedingungen betrachten.
Wann eignet sich eine Feuerverzinkung?
Feuerverzinkter Stahl ist vor allem dann interessant, wenn ein robuster und weitgehend flächendeckender Korrosionsschutz gefragt ist.
Durch das Tauchverfahren erreicht die Zinkschmelze bei dafür geeigneten Konstruktionen auch Bereiche, die mit einem Spritzverfahren schwieriger zu beschichten sein können. Der metallurgisch mit dem Stahl verbundene Zinküberzug ist außerdem vergleichsweise widerstandsfähig gegenüber mechanischer Beanspruchung.
Das kann beispielsweise bei Bauteilen von Vorteil sein, die während Transport, Montage oder Betrieb beansprucht werden.
Für industrielle Rohrschellen, Rohrhalter und Rohrschlitten kann eine Feuerverzinkung deshalb insbesondere bei witterungsbeanspruchten Anwendungen eine mögliche Ausführung sein.
Vor der Festlegung sollten jedoch mehrere Punkte geprüft werden:
- Ist die Konstruktion für das Feuerverzinken geeignet?
- Sind Hohlräume, Öffnungen oder geschlossene Bereiche vorhanden?
- Sind Maß- oder Oberflächenanforderungen einzuhalten?
- Ist Zink gegenüber der späteren Umgebung ausreichend beständig?
- Gibt es Kontaktflächen oder Materialkombinationen, die gesondert betrachtet werden müssen?
- Sind bestimmte optische Anforderungen vorgegeben?
Gerade bei Sonderkonstruktionen sollte die gewünschte Oberflächenbehandlung deshalb bereits bei der Bauteilauslegung berücksichtigt werden.
Wann ist eine Lackierung die bessere Lösung?
Eine Lackierung bietet besonders viel Flexibilität bei der Anpassung des Korrosionsschutzes an das konkrete Projekt.
Je nach Beanspruchung können unterschiedliche Grundierungen, Zwischen- und Deckbeschichtungen eingesetzt werden. Dadurch lässt sich ein Beschichtungssystem gezielt an Umgebungsbedingungen, mechanische Anforderungen und weitere technische Vorgaben anpassen.
Auch die Farbgestaltung spricht häufig für eine Lackierung. RAL-Farbtöne, projektspezifische Farbvorgaben oder eine definierte optische Gestaltung lassen sich mit einer Beschichtung wesentlich einfacher realisieren als mit einer unbehandelten Zinkoberfläche.
STEBA verfügt über eine eigene Lackiererei und kann Grundierungen, Endbeschichtungen, Teilbeschichtungen sowie mehrschichtige Systeme direkt in den Fertigungsprozess integrieren. Auch unterschiedliche Spritzverfahren stehen zur Verfügung.
Das ist beispielsweise interessant, wenn:
- eine bestimmte Farbe vorgeschrieben ist,
- nur ausgewählte Bereiche beschichtet werden sollen,
- ein projektspezifischer Schichtaufbau gefordert wird,
- die Oberfläche auf bestimmte Umgebungsbedingungen abgestimmt werden muss,
- Anschluss-, Kontakt- oder Schweißbereiche frei bleiben sollen.
Bei Rohrhaltern bietet STEBA entsprechend sowohl grundierte und lackierte als auch mehrschichtig lackierte und feuerverzinkte Ausführungen an.
Der Untergrund entscheidet über die Qualität einer Lackierung
Eine hochwertige Lackierung beginnt nicht mit dem eigentlichen Farbauftrag.
Damit ein Beschichtungssystem dauerhaft haftet, muss die Stahloberfläche für das vorgesehene System geeignet vorbereitet werden. Verunreinigungen, Rost, Zunder oder ungeeignete Oberflächenzustände können die Haftung und damit die Schutzwirkung beeinträchtigen.
STEBA kann Bauteile unter anderem bis zum Oberflächenvorbereitungsgrad Sa 2,5 strahlen und anschließend grundieren beziehungsweise lackieren.
Gerade bei mehrschichtigen Systemen müssen deshalb mehrere Faktoren aufeinander abgestimmt werden:
- Oberflächenvorbereitung
- Grundierung
- Zwischenbeschichtung
- Deckbeschichtung
- geforderte Schichtdicken
- Trocknungs- beziehungsweise Aushärtungsbedingungen
- Einsatzumgebung
Eine Lackierung sollte daher nicht nur über eine Farbe oder einen einzelnen Beschichtungsstoff definiert werden. Für anspruchsvolle Industrieanwendungen ist das vollständige Beschichtungssystem relevant.
Mechanische Beschädigungen unterschiedlich bewerten
Rohrbefestigungen werden nicht nur durch Feuchtigkeit und Chemikalien belastet. Auch Transport, Montage, Werkzeugkontakt, Reibung oder spätere Wartungsarbeiten können die Oberfläche beanspruchen.
Hier unterscheiden sich Feuerverzinkung und Lackierung.
Ein Zinküberzug ist metallisch mit dem Stahl verbunden und besitzt eine hohe mechanische Widerstandsfähigkeit. Zink kann außerdem in begrenztem Umfang auch angrenzende kleine Fehlstellen elektrochemisch schützen.
Eine Lackierung wirkt dagegen in erster Linie als Barriere zwischen Stahl und Umgebung. Wird diese Barriere bis zum Stahl beschädigt, kann die freiliegende Stelle korrosionsgefährdet sein.
Bei mechanisch stark beanspruchten Bauteilen sollte deshalb bereits bei der Auswahl berücksichtigt werden, wie wahrscheinlich Beschädigungen während Transport, Montage und späterem Betrieb sind.
Lackierung punktet bei Farbe und projektspezifischen Anforderungen
In vielen Industrieprojekten ist Korrosionsschutz nicht die einzige Vorgabe an die Oberfläche.
Bauteile können beispielsweise bestimmten Anlagenbereichen farblich zugeordnet werden. Auch Kennzeichnungs-, Corporate-Design- oder projektspezifische Vorgaben können eine Rolle spielen.
Eine Lackierung bietet hier wesentlich mehr Gestaltungsmöglichkeiten.
Bei Steba können Beschichtungssysteme projektbezogen in den Fertigungsprozess eingebunden werden. Die eigene Lackiererei ermöglicht unter anderem Grundierungen, Endbeschichtungen, Teilbeschichtungen und Mehrschichtsysteme.
Für Rohrschlitten stehen beispielsweise rohe, gestrahlte, grundierte, lackierte, mehrschichtig lackierte und feuerverzinkte Ausführungen zur Verfügung.
Nicht jede Umgebung ist für Zink oder Lack gleichermaßen geeignet
Bei der Auswahl sollten Sie auch prüfen, mit welchen Stoffen die Rohrbefestigung tatsächlich in Kontakt kommt.
Relevant können beispielsweise sein:
- Luftfeuchtigkeit
- Kondenswasser
- Spritzwasser
- Salze
- Reinigungsmittel
- Säuren und Laugen
- Prozessdämpfe
- industrielle Atmosphäre
Gerade bei chemischer Belastung darf weder bei einer Verzinkung noch bei einer Lackierung pauschal von einer ausreichenden Beständigkeit ausgegangen werden.
Medium, Konzentration, Temperatur und Einwirkdauer beeinflussen die Eignung einer Oberfläche erheblich.
Weitere Grundlagen zur Auswahl geeigneter Oberflächen finden Sie im Steba-Ratgeber zum Korrosionsschutz bei Rohrschellen.
Auch die Konstruktion beeinflusst die Entscheidung
Die Oberfläche sollte möglichst früh in der Konstruktion festgelegt werden.
Beim Feuerverzinken muss das Bauteil für den Tauchprozess geeignet sein. Konstruktionen mit Hohlräumen benötigen beispielsweise eine fachgerechte Auslegung, damit Vorbehandlungsmedien und Zink ein- und austreten können und keine unzulässigen geschlossenen Räume entstehen.
Bei Lackierungen wiederum muss berücksichtigt werden, ob sämtliche zu beschichtenden Flächen ausreichend zugänglich sind. Enge Spalte, schwer erreichbare Innenecken und ungünstige Kanten können die Oberflächenvorbereitung und den gleichmäßigen Beschichtungsauftrag erschweren.
Bei beiden Verfahren gilt deshalb: Korrosionsschutz ist auch eine konstruktive Aufgabe.
Feuerverzinkung und Lackierung lassen sich kombinieren
Die Entscheidung muss nicht immer „entweder oder“ lauten.
Eine Feuerverzinkung kann zusätzlich mit einem Beschichtungssystem versehen werden. Diese Kombination wird als Duplex-System bezeichnet.
Dabei übernimmt die Zinkschicht den metallischen Korrosionsschutz, während die zusätzliche Beschichtung den Zinküberzug gegenüber der Umgebung abschirmt und gleichzeitig eine individuelle Farbgestaltung ermöglicht.
Duplex-Systeme kommen insbesondere dann infrage, wenn besonders hohe Anforderungen an die Schutzdauer oder eine Kombination aus Zinkschutz und Farbgebung gefordert ist.
Auch hier müssen Zinkoberfläche, Vorbehandlung und Beschichtungssystem aufeinander abgestimmt sein. Eine gewöhnliche Lackierung kann nicht ohne Weiteres auf jede frisch verzinkte Oberfläche aufgebracht werden.
Welche Variante ist wirtschaftlicher?
Die Wirtschaftlichkeit lässt sich nicht allein anhand der Kosten der Erstbeschichtung beurteilen.
Berücksichtigen Sie vielmehr den gesamten Nutzungszeitraum eines Bauteils:
- Kosten der Erstbehandlung
- erwartete Einsatzdauer
- Zugänglichkeit für Wartungsarbeiten
- Wahrscheinlichkeit mechanischer Beschädigungen
- Aufwand für Inspektion und Instandsetzung
- Kosten möglicher Anlagenstillstände
- Anforderungen an Optik und Farbgebung
Ein zunächst günstigeres System kann langfristig teurer werden, wenn es unter den tatsächlichen Einsatzbedingungen häufiger instand gesetzt werden muss.
Umgekehrt ist ein technisch aufwendigeres Schutzsystem nicht automatisch wirtschaftlicher, wenn die vorhandene Korrosionsbelastung diesen Aufwand gar nicht erfordert.
Feuerverzinkung oder Lackierung: Diese Fragen helfen bei der Auswahl
Bevor Sie die Oberfläche Ihrer Rohrbefestigung spezifizieren, sollten Sie mindestens folgende Punkte klären:
- Wird das Bauteil im Innen- oder Außenbereich eingesetzt?
- Wie hoch sind Feuchtigkeit und Korrosionsbelastung?
- Treten Salze oder chemische Stoffe auf?
- Wie stark wird die Oberfläche mechanisch beansprucht?
- Gibt es Anforderungen an Farbe oder Optik?
- Muss das Bauteil später einfach ausgebessert werden können?
- Ist die Konstruktion für das Feuerverzinken geeignet?
- Sind bestimmte Bereiche von einer Beschichtung auszunehmen?
- Gibt es eine Kunden-, Werks- oder Projektspezifikation?
- Welche Nutzungs- und Wartungsdauer ist vorgesehen?
Aus diesen Angaben lässt sich wesentlich zuverlässiger ableiten, welches Korrosionsschutzsystem zum Projekt passt.
Feuerverzinkt oder lackiert bei Rohrbefestigungen von STEBA
STEBA fertigt Rohrschellen, Rohrhalter, Rohrschlitten und individuelle Rohrbefestigungen aus unterschiedlichen Stählen und Edelstählen. Je nach Bauteil und Projekt stehen verschiedene Oberflächen zur Verfügung – von roh und gestrahlt über Grundierungen und mehrschichtige Lackierungen bis zur Feuerverzinkung.
Die eigene Lackiererei ermöglicht es, projektspezifische Beschichtungen direkt mit der Fertigung abzustimmen. Dadurch können Werkstoff, Konstruktion und Oberfläche gemeinsam auf die spätere Anwendung ausgelegt werden.
Wenn für Ihr Projekt noch nicht feststeht, ob Feuerverzinkung oder Lackierung geeigneter ist, sollten Sie Einsatzumgebung, Korrosionsbelastung, Bauteilgeometrie und Oberflächenanforderungen bereits bei der technischen Anfrage angeben.
Häufige Fragen zu Feuerverzinkung und Lackierung
Was ist besser: Feuerverzinkung oder Lackierung?
Das hängt von der Anwendung ab. Feuerverzinkungen bieten einen robusten metallischen Korrosionsschutz. Lackierungen ermöglichen dagegen eine besonders flexible Anpassung des Beschichtungssystems sowie eine individuelle Farbgestaltung. Einsatzumgebung, mechanische Belastung und konstruktive Anforderungen sollten gemeinsam bewertet werden.
Ist Feuerverzinkung widerstandsfähiger als Lack?
Ein Feuerverzinkungsüberzug ist mechanisch sehr belastbar und metallurgisch mit dem Stahl verbunden. Die Widerstandsfähigkeit einer Lackierung hängt dagegen vom verwendeten Beschichtungssystem und dessen Schichtaufbau ab. Hochwertige industrielle Mehrschichtsysteme können gezielt für anspruchsvolle Einsatzbedingungen ausgelegt werden.
Welche Norm gilt für Feuerverzinkungen?
DIN EN ISO 1461 legt allgemeine Anforderungen und Prüfungen für durch Feuerverzinken aufgebrachte Zinküberzüge auf gefertigten Eisen- und Stahlbauteilen fest.
Welche Norm gilt für Lackierungen als Korrosionsschutz?
Für den Korrosionsschutz von Stahlbauten durch Beschichtungssysteme ist insbesondere die Normenreihe DIN EN ISO 12944 relevant. Sie behandelt unter anderem Umgebungsbedingungen, Oberflächenvorbereitung, Beschichtungssysteme sowie Ausführung und Instandhaltung.
Was ist ein Duplex-System?
Ein Duplex-System kombiniert eine Feuerverzinkung mit einer zusätzlichen organischen Beschichtung. Dadurch werden die Eigenschaften des Zinküberzugs mit den Möglichkeiten einer Lack- oder Pulverbeschichtung verbunden.
Können Rohrschellen und Rohrhalter lackiert oder feuerverzinkt geliefert werden?
Ja. STEBA bietet abhängig von Produkt und Projekt unterschiedliche Oberflächenausführungen an. Dazu gehören unter anderem gestrahlte, grundierte, lackierte, mehrschichtig lackierte und feuerverzinkte Ausführungen.