Rohrschellen und Rohrhalter sind sicherheits- und funktionsrelevante Komponenten einer Rohrleitungsanlage. Sie müssen zum vorgesehenen Rohrdurchmesser passen, korrekt montierbar sein, auftretende Kräfte aufnehmen und unter den jeweiligen Einsatzbedingungen dauerhaft funktionieren.
Die Qualitätssicherung bei Rohrschellen und Rohrhaltern darf sich deshalb nicht auf eine abschließende Sichtkontrolle beschränken. Entscheidend ist die Übereinstimmung des gefertigten Bauteils mit Zeichnung, Spezifikation und Bestellung – vom eingesetzten Werkstoff über die Abmessungen und Schweißverbindungen bis zur Oberfläche und technischen Dokumentation.
Besonders bei individuell gefertigten Rohrschellen und Rohrhaltern beginnt die Qualitätssicherung bereits vor der eigentlichen Produktion.
Welche Qualitätsmerkmale sind bei Rohrschellen und Rohrhaltern entscheidend?
Welche Prüfungen erforderlich sind, hängt von Konstruktion und Einsatzbereich ab. Nicht jedes Bauteil benötigt den gleichen Prüfumfang.
Typische Qualitätsmerkmale sind:
| Merkmal | Typische Prüfung | Bedeutung |
|---|---|---|
| Rohranschlussmaß | Maßprüfung | Passung zum vorgesehenen Rohr |
| Bauhöhe | Maßprüfung | korrekte Positionierung der Rohrleitung |
| Lochdurchmesser | Maßprüfung | Montage mit vorgesehenen Verbindungsmitteln |
| Lochabstände | Maßprüfung | Anschluss an Tragwerk oder Unterkonstruktion |
| Materialstärke | Maßprüfung | Übereinstimmung mit Konstruktion |
| Werkstoff | Kennzeichnung / Materialnachweis | Eignung für Belastung und Umgebung |
| Biegegeometrie | Maß- und Sichtprüfung | Passform und Einbausituation |
| Schweißverbindungen | Sichtprüfung / definierte Zusatzprüfung | konstruktive Verbindung der Bauteile |
| Oberfläche | Sichtprüfung / projektspezifische Prüfung | Korrosionsschutz und Beschichtungsqualität |
| Kennzeichnung | Sichtprüfung | Identifikation und Rückverfolgbarkeit |
| Dokumentation | Dokumentenprüfung | Nachweis vereinbarter Eigenschaften |
Entscheidend ist nicht eine möglichst große Anzahl von Prüfungen, sondern die Kontrolle der für Funktion, Montage und Lebensdauer relevanten Merkmale.
Unterschiede bei der Qualitätssicherung von Rohrschellen und Rohrhaltern
Rohrschellen und Rohrhalter gehören beide zur Rohrbefestigung, stellen an die Qualitätsprüfung jedoch teilweise unterschiedliche Anforderungen.
Rohrschellen: Passform und Befestigungsgeometrie im Mittelpunkt
Bei Rohrschellen ist insbesondere entscheidend, dass sie zur vorgesehenen Rohrdimension passen und die Anschlussbereiche korrekt gefertigt wurden.
Zu den typischen Prüfmerkmalen gehören:
- Innendurchmesser beziehungsweise Rohranschlussmaß
- Radius und Biegeform
- Materialbreite
- Materialstärke
- Laschengeometrie
- Lochdurchmesser
- Lochabstände
- Lage der Bohrungen
- Symmetrie
- angeschweißte Bauteile
- Oberfläche und Kantenausführung
Bereits Abweichungen bei Radius, Lochbild oder Laschenstellung können dazu führen, dass sich eine Rohrschelle auf der Baustelle nur schwer oder überhaupt nicht montieren lässt.
Rohrhalter: Bauhöhe und Anschlussgeometrie besonders relevant
Bei Rohrhaltern kommt neben der Aufnahme des Rohres die Verbindung zur Unterkonstruktion hinzu.
Deshalb sind häufig weitere Maße funktionskritisch:
- Gesamthöhe
- Achshöhe der Rohrleitung
- Steghöhe
- Position des Rohranschlusses
- Ausrichtung des Steges
- Abmessungen von Fuß- und Grundplatten
- Lochbilder der Anschlussplatten
- Winkel und Achsabstände
- Position angeschweißter Rohrschellen
- Anschlussflächen zum Tragwerk
Gerade bei individuell gefertigten Rohrhaltern nach Zeichnung muss deshalb eindeutig definiert sein, welche Maße für die spätere Montage maßgeblich sind.
Qualitätssicherung beginnt vor der Fertigung
Viele spätere Qualitätsprobleme entstehen nicht erst während der Produktion, sondern bereits durch unvollständige oder widersprüchliche technische Vorgaben.
Vor Fertigungsbeginn sollten deshalb mindestens folgende Punkte eindeutig geklärt sein:
| Technische Vorgabe | Beispiele |
| Geometrie | Durchmesser, Höhe, Breite, Stegform |
| Material | Werkstoffgüte, Materialstärke |
| Anschlüsse | Bohrungen, Langlöcher, Gewinde |
| Toleranzen | funktionsrelevante Maße |
| Schweißverbindungen | Nahtart, Nahtlage, Nahtmaß |
| Oberfläche | roh, gestrahlt, lackiert, verzinkt |
| Kennzeichnung | Artikel-, Positions-, Größen- oder Chargenkennzeichnung |
| Prüfung | Prüfmerkmale und Prüfumfang |
| Dokumentation | Materialnachweise, Protokolle, Zeugnisse |
Insbesondere bei Konstruktionen auf Basis von CAD-Daten sollten Modell, Zeichnung und Fertigungsunterlagen den gleichen Revisionsstand besitzen.
Wie digitale Konstruktionsdaten für die Fertigung genutzt werden können, wird ausführlicher unter Rohrhalter nach CAD-Daten herstellen beschrieben. STEBA nennt dort unter anderem Maß- und Sichtprüfungen, Kontrollen von Bohrbildern und Anschlussmaßen, definierte Schweißmerkmale sowie Materialnachweise und Prüfprotokolle als mögliche Bestandteile der Qualitätssicherung.
Toleranzen: Nicht jedes Maß ist gleich wichtig
Ein häufiger Fehler bei Zeichnungsteilen besteht darin, sämtliche Maße mit sehr engen Toleranzen zu versehen.
Das verbessert die Qualität eines Bauteils nicht automatisch. Im Gegenteil: Unnötig enge Toleranzen erhöhen Fertigungs- und Prüfaufwand, ohne dass daraus zwingend ein funktionaler Vorteil entsteht.
Sinnvoll ist eine Unterscheidung zwischen:
Funktionskritischen Maßen
Diese beeinflussen unmittelbar die Funktion des Bauteils.
Beispiele:
- Innendurchmesser einer Rohrschelle
- Bauhöhe eines Rohrhalters
- Position des Rohres
- relevante Anschlussmaße
Montagekritischen Maßen
Sie bestimmen, ob das Bauteil an der vorgesehenen Stelle montiert werden kann.
Dazu gehören beispielsweise:
- Lochabstände
- Lochdurchmesser
- Positionen von Grundplatten
- Abstände zu benachbarten Bauteilen
- erforderliche Einbaumaße
Fertigungsbedingten Maßen
Andere Abmessungen dürfen innerhalb einer technisch vertretbaren Bandbreite liegen, ohne Funktion oder Montage zu beeinträchtigen.
Eine gute Prüfplanung konzentriert sich deshalb zuerst auf die kritischen Merkmale und legt für diese eindeutige Toleranzen fest.
Werkstoffprüfung und Rückverfolgbarkeit
Die richtige Geometrie allein genügt nicht. Eine Rohrschelle aus dem falschen Werkstoff kann äußerlich vollkommen korrekt aussehen und trotzdem nicht der Spezifikation entsprechen.
Bei STEBA werden je nach Ausführung unter anderem Stahl- und Edelstahlwerkstoffe verarbeitet. Für Rohrhalter nennt das Unternehmen beispielsweise S235, S355 sowie verschiedene Edelstahlgüten.
Je nach Auftrag können zur Qualitätssicherung gehören:
- Kontrolle der Werkstoffbezeichnung
- Materialkennzeichnung
- Zuordnung des Materials zum Fertigungsauftrag
- Chargenkennzeichnung
- Materialnachweise
- Abgleich mit den Bestellunterlagen
- dokumentierte Rückverfolgbarkeit
Gerade bei Projekten mit umfangreicher Dokumentationspflicht muss diese Rückverfolgbarkeit bereits während Materialbeschaffung und Fertigung berücksichtigt werden.
Warum eine Chargenkennzeichnung wichtig sein kann
Eine Chargenkennzeichnung ermöglicht die spätere Zuordnung eines Bauteils oder einer Bauteilgruppe zu den entsprechenden Fertigungs- und Materialinformationen.
STEBA bietet je nach Ausführung Größen- und Chargenprägungen an.
Das ist beispielsweise dann sinnvoll, wenn mehrere ähnlich aussehende Rohrbefestigungen für unterschiedliche Positionen oder Rohrdurchmesser innerhalb eines Projekts vorgesehen sind.
Maßprüfung in der Fertigung
Die Maßprüfung stellt sicher, dass das gefertigte Bauteil den festgelegten geometrischen Anforderungen entspricht.
Welche Messmittel eingesetzt werden, richtet sich nach Bauteil, Toleranz und Prüfmerkmal.
Bei einfachen Abmessungen können beispielsweise Messschieber oder geeignete Lehren eingesetzt werden. Größere Bauteile und komplexe Geometrien erfordern entsprechend angepasste Messverfahren.
Typische Prüfmerkmale bei einer Rohrschelle
Beispielhaft können geprüft werden:
- Rohranschlussmaß
- Materialstärke
- Materialbreite
- Laschenlänge
- Lochdurchmesser
- Lochabstand
- Gesamtabmessung
- Biegeradius
- Ausrichtung der Laschen
Typische Prüfmerkmale bei einem Rohrhalter
Abhängig von der Konstruktion können zusätzlich relevant sein:
- Bauhöhe
- Position der Rohrschelle
- Steglänge
- Ausrichtung des Steges
- Winkel
- Grundplattenabmessungen
- Lochbild
- Anschlussflächen
- Gesamtgeometrie
Welche Maße dokumentiert werden, sollte bereits mit dem Auftrag beziehungsweise dem Prüfplan festgelegt werden.
Sichtprüfung: Kleine Fehler früh erkennen
Die Sichtprüfung ist ein vergleichsweise einfacher, aber wichtiger Bestandteil der Qualitätssicherung.
Sie kann unter anderem folgende Abweichungen sichtbar machen:
- scharfe Kanten
- nicht vollständig entgratete Bereiche
- Verformungen
- beschädigte Bohrungen
- Schweißspritzer
- auffällige Schweißnähte
- Oberflächenfehler
- beschädigte Beschichtungen
- fehlende Beschichtungsbereiche
- fehlerhafte Kennzeichnungen
- mechanische Beschädigungen
Bei STEBA gehört das Schleifen und Entgraten ebenso zum verfügbaren Fertigungsspektrum wie Strahlen, Grundieren und Lackieren.
Die Sichtprüfung ersetzt jedoch weder eine Maßkontrolle noch einen Werkstoffnachweis. Sie ergänzt diese Prüfungen.
Qualitätssicherung bei Schweißverbindungen
Bei geschweißten Rohrhaltern und Rohrschellen mit angeschweißten Komponenten ist die Schweißverbindung ein wesentliches Qualitätsmerkmal.
STEBA setzt für Rohrhalter unter anderem MIG-, MAG- und Pulsverfahren sowie Roboterschweißen ein.
Geprüft werden können abhängig von Zeichnung und Spezifikation beispielsweise:
- richtige Position der Schweißnaht
- vorgesehene Nahtart
- definierte Nahtlänge
- Nahtabmessung
- gleichmäßiger Nahtverlauf
- sichtbare Unregelmäßigkeiten
- vollständige Verbindung der vorgesehenen Bereiche
- Verzug des Bauteils nach dem Schweißen
Sichtprüfung oder weitergehende Schweißnahtprüfung?
Nicht jede Rohrschelle und nicht jeder Rohrhalter benötigt eine aufwendige zerstörungsfreie Prüfung.
Der erforderliche Prüfumfang richtet sich nach:
- Konstruktion
- Belastung
- Einsatzgebiet
- Kundenanforderungen
- projektspezifischen Regelwerken
Bei entsprechend kritischen Konstruktionen können zusätzliche Prüfverfahren oder definierte Qualitätsanforderungen erforderlich sein.
Diese Anforderungen sollten vor Fertigungsbeginn in Zeichnung oder Spezifikation enthalten sein.
Oberflächen und Korrosionsschutz prüfen
Korrosionsschutz ist bei Rohrbefestigungen nicht nur ein optisches Thema. Je nach Umgebung beeinflusst die Oberfläche wesentlich die Lebensdauer des Bauteils.
STEBA bietet für Rohrhalter unter anderem rohe, blanke, gestrahlte, grundierte, lackierte, mehrschichtig lackierte, teilverzinkte und feuerverzinkte Ausführungen an.
Bei der Qualitätsprüfung können deshalb beispielsweise betrachtet werden:
- wurde die vereinbarte Oberfläche ausgeführt?
- sind alle vorgesehenen Bereiche behandelt?
- sind sichtbare Beschädigungen vorhanden?
- gibt es Fehlstellen?
- sind Kanten und schwer zugängliche Bereiche ausreichend berücksichtigt?
- entspricht der Aufbau der projektspezifischen Vorgabe?
Bei anspruchsvollen Projekten können zusätzliche Prüfmerkmale wie Schichtdicken oder definierte Anforderungen an den Beschichtungsaufbau vereinbart werden.
Prüfanforderungen hängen vom Einsatzbereich ab
Eine Rohrschelle für eine geschützte industrielle Innenanlage stellt andere Anforderungen an Werkstoff und Oberfläche als eine Rohrbefestigung auf einer Offshore-Plattform.
Anlagenbau
Im Anlagenbau stehen häufig Passgenauigkeit, Tragfähigkeit und die exakte Integration der Rohrbefestigung in die geplante Konstruktion im Mittelpunkt.
Rohrleitungen können dort unter anderem durch Gewicht, Schwingungen und thermische Längenänderungen beansprucht werden.
Entsprechend wichtig sind:
- funktionskritische Maße
- Anschlussgeometrien
- Materialausführung
- Schweißverbindungen
- eindeutige Bauteilzuordnung
Rohrleitungsbau
Im Rohrleitungsbau entscheidet insbesondere die Abstimmung zwischen Rohrleitung, Befestigung und Tragkonstruktion über die spätere Montage.
Von besonderer Bedeutung sind daher:
- Rohrdurchmesser
- Montageposition
- Bauhöhe
- Lochbilder
- Material
- Oberflächenanforderungen
Offshore und maritime Anwendungen
Bei Offshore-Rohrbefestigungen kommen hohe Anforderungen an Korrosionsschutz und projektspezifische Konstruktionen hinzu. STEBA nennt für Offshore-Anwendungen unter anderem Tragfähigkeit, Korrosionsschutz und Montage als zentrale Anforderungen.
Bei der Qualitätssicherung können deshalb insbesondere relevant sein:
- Werkstoffkontrolle
- Oberfläche
- Beschichtungsqualität
- Schweißverbindungen
- Kennzeichnung
- Dokumentation
- Rückverfolgbarkeit
Sonderanfertigungen
Bei Sonderanfertigungen im Rohrleitungsbau kann kein allgemeiner Standardprüfplan sämtliche Konstruktionen abdecken.
Hier sollte bauteilbezogen festgelegt werden:
- welche Abmessungen kritisch sind,
- welche Toleranzen gelten,
- welche Werkstoffe eingesetzt werden,
- welche Schweißmerkmale relevant sind,
- welche Oberfläche erforderlich ist und
- welche Dokumentation benötigt wird.
Welche Prüfung ist bei welchem Bauteil sinnvoll?
Der tatsächliche Prüfumfang sollte sich nach dem Risiko einer Abweichung richten.
| Bauteil / Anwendung | Besonders wichtige Prüfungen |
| einfache Standard-Rohrschelle | Abmessungen, Bohrbild, Oberfläche |
| Rohrschelle nach Zeichnung | Zeichnungsmaße, Werkstoff, Bohrbild, Kennzeichnung |
| geschweißter Rohrhalter | Bauhöhe, Anschlussmaße, Schweißverbindungen, Werkstoff |
| Rohrhalter mit Grundplatte | Bauhöhe, Lochbild, Lage der Grundplatte, Schweißverbindung |
| Kleinserie | Erstteilprüfung plus definierte Serienkontrollen |
| wiederkehrende Serie | Prüfmerkmale über den Fertigungsprozess überwachen |
| Offshore-Bauteil | Werkstoff, Oberfläche, Schweißbereiche, Dokumentation |
| Sonderkonstruktion | individueller Prüfplan anhand der Zeichnung |
| dokumentationspflichtiges Projekt | zusätzliche Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und Nachweise |
Die Tabelle zeigt bewusst keine starren Vorgaben. Der Prüfumfang muss immer zur tatsächlichen Konstruktion passen.
Qualitätssicherung bei Einzelteilen und Prototypen
Bei einem Einzelteil oder Prototyp steht die vollständige Übereinstimmung mit der freigegebenen Konstruktion im Vordergrund.
Besonders geprüft werden sollten die Merkmale, die später über die Verwendbarkeit des Bauteils entscheiden.
Bei einem neuen Rohrhalter können das beispielsweise sein:
- Rohrposition
- Bauhöhe
- Anschlussgeometrie
- Lage der Bohrungen
- Schweißpositionen
- Gesamtgeometrie
Der Prototyp kann gleichzeitig dazu dienen, die Fertigungsunterlagen zu überprüfen und gegebenenfalls vor einer Serienproduktion anzupassen.
Qualitätssicherung in der Serienfertigung
Bei einer Serie reicht es nicht aus, nur das erste gefertigte Bauteil zu kontrollieren.
Entscheidend ist, dass die festgelegten Merkmale über die gesamte Produktion reproduzierbar eingehalten werden.
Typische Kontrollpunkte sind:
- gleichbleibende Biegeradien
- konstante Lochbilder
- gleiche Bauhöhen
- definierte Schweißpositionen
- korrekte Materialzuordnung
- gleichmäßige Oberflächen
- vollständige Kennzeichnungen
Eine mögliche Vorgehensweise ist die Kombination aus Erstteilprüfung und festgelegten Prüfungen während der laufenden Produktion.
Wie häufig geprüft wird, hängt unter anderem von Stückzahl, Herstellungsverfahren, Merkmal und Bedeutung des Bauteils ab.
100-Prozent-Prüfung oder Stichprobe?
Nicht jedes Merkmal jedes Bauteils muss zwangsläufig vollständig vermessen werden.
Eine vollständige Prüfung kann beispielsweise sinnvoll sein bei:
- sehr kleinen Stückzahlen
- Einzelanfertigungen
- besonders kritischen Merkmalen
- kundenseitig geforderter Vollprüfung
Bei größeren Serien kann eine definierte Stichprobenprüfung wirtschaftlich sinnvoller sein, sofern Fertigungsprozess, Bauteil und Anforderungen dies zulassen.
Die Entscheidung sollte nicht pauschal anhand der Stückzahl getroffen werden, sondern anhand des Risikos einer Abweichung.
Ein falscher Lochabstand mit hoher Auswirkung auf die Montage kann beispielsweise eine engmaschigere Kontrolle rechtfertigen als ein weniger relevantes Nebenmaß.
Prüfplanung: Welche Merkmale zuerst kontrollieren?
Eine praxisgerechte Prüfplanung kann nach vier Fragen aufgebaut werden:
1. Kann das Bauteil bei einer Abweichung noch montiert werden?
Hierzu gehören Rohranschlussmaße, Bohrbilder, Bauhöhen und Anschlussflächen.
2. Kann die Abweichung die Funktion beeinträchtigen?
Relevant sind beispielsweise Geometrie, Werkstoff oder konstruktiv notwendige Schweißverbindungen.
3. Kann die Abweichung die Lebensdauer reduzieren?
Hier spielen insbesondere Werkstoff und Korrosionsschutz eine Rolle.
4. Muss die Eigenschaft später nachgewiesen werden?
Dann sind Kennzeichnung, Rückverfolgbarkeit und technische Dokumentation von Beginn an mit einzuplanen.
Diese Priorisierung führt zu einer deutlich zielgerichteteren Qualitätskontrolle als eine wahllose Prüfung möglichst vieler Maße.
Prüfprotokolle und technische Dokumentation
Bei industriellen Projekten endet Qualität häufig nicht am geprüften Bauteil. Bestimmte Eigenschaften müssen zusätzlich dokumentiert werden.
Abhängig von Projekt und Vereinbarung können dazugehören:
- Maßprüfprotokolle
- Materialnachweise
- Kennzeichnungsunterlagen
- Chargeninformationen
- Beschichtungsdokumentationen
- projektspezifische Prüfunterlagen
- Abnahmeprüfzeugnisse
STEBA bietet für Rohrhalter auf Wunsch ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 an. Auch auf der Seite zur Fertigung nach CAD-Daten werden Materialnachweise, Prüfprotokolle, Chargenkennzeichnungen und 3.1-Zeugnisse als mögliche projektbezogene Dokumentation genannt.
Warum Dokumentationsanforderungen früh festgelegt werden müssen
Wird erst nach der Produktion festgestellt, dass bestimmte Chargen- oder Materialnachweise benötigt werden, kann die erforderliche Rückverfolgbarkeit unter Umständen nicht mehr vollständig hergestellt werden.
Deshalb sollten bereits bei Anfrage oder Bestellung eindeutig angegeben werden:
- benötigte Zeugnisse
- gewünschte Prüfprotokolle
- Kennzeichnungsanforderungen
- Umfang der Rückverfolgbarkeit
- besondere Dokumentationsvorgaben
Typische Qualitätsprobleme bei Rohrschellen und Rohrhaltern
Rohrschelle passt trotz richtigem Nenndurchmesser nicht
Mögliche Ursachen sind eine falsche Biegegeometrie, abweichende Materialstärke, eine ungeeignete Ausführung oder nicht berücksichtigte Einlagen.
Deshalb sollte nicht nur eine Größenbezeichnung, sondern das tatsächlich relevante Anschlussmaß geprüft werden.
Bohrungen stimmen nicht mit der Unterkonstruktion überein
Bereits kleine Abweichungen im Lochbild können die Montage verhindern.
Lochdurchmesser und Lochabstände gehören deshalb zu den typischen montagekritischen Prüfmerkmalen.
Rohrhalter besitzt die falsche Bauhöhe
Eine abweichende Bauhöhe verändert die Lage der Rohrleitung und kann bei bereits aufgebauten Tragkonstruktionen erhebliche Montageprobleme verursachen.
Die Bauhöhe sollte deshalb bei entsprechenden Konstruktionen als funktionskritisches Maß behandelt werden.
Bauteil ist geometrisch richtig, aber aus dem falschen Werkstoff
Dieser Fehler lässt sich mit einer reinen Maßprüfung nicht erkennen.
Deshalb gehören Materialzuordnung und gegebenenfalls Materialnachweise zur Qualitätssicherung.
Schweißverzug verändert die Geometrie
Beim Schweißen können sich Bauteile verziehen. Eine korrekte Ausgangsgeometrie garantiert deshalb noch nicht, dass das fertig geschweißte Bauteil sämtliche relevanten Maße einhält.
Entscheidende Maße sollten gegebenenfalls nach Abschluss der Schweißarbeiten kontrolliert werden.
Beschichtung wird bei der Maßbetrachtung vergessen
Oberflächenbehandlungen können insbesondere bei Pass- und Anschlussbereichen relevant sein.
Bereits bei Konstruktion und Prüfung sollte deshalb berücksichtigt werden, in welchem Fertigungszustand ein Maß gelten soll.
Unterschiedliche Zeichnungsrevisionen werden verwendet
Eine der häufigsten organisatorischen Fehlerquellen bei Zeichnungsteilen sind unterschiedliche Versionsstände.
Fertigung und Qualitätsprüfung müssen deshalb auf derselben freigegebenen Revision basieren.
Qualitätsprüfung im Wareneingang
Auch wenn der Hersteller eigene Qualitätskontrollen durchführt, kann der Auftraggeber eine an seine Anforderungen angepasste Wareneingangsprüfung vorsehen.
Diese muss nicht zwangsläufig jedes Merkmal erneut prüfen.
Eine praxisgerechte Kontrolle kann beispielsweise umfassen:
- richtige Stückzahl
- richtige Bauteilbezeichnung
- Zeichnungsnummer
- Revisionsstand
- Größen- oder Positionskennzeichnung
- sichtbare Transportschäden
- ausgewählte Hauptmaße
- Oberfläche
- Vollständigkeit der vereinbarten Dokumentation
Bei großen Projekten erleichtert eine eindeutige Kennzeichnung die Zuordnung zu den jeweiligen Rohrleitungsabschnitten oder Montagepositionen erheblich.
Qualität muss messbar definiert werden
Begriffe wie „hochwertig“, „präzise“ oder „Industriequalität“ reichen für eine technische Qualitätssicherung nicht aus.
Prüfbar sind konkrete Anforderungen:
- ein bestimmter Werkstoff,
- eine definierte Abmessung,
- eine festgelegte Toleranz,
- ein vorgegebenes Lochbild,
- eine bestimmte Oberfläche,
- eine definierte Schweißverbindung,
- eine eindeutige Kennzeichnung oder
- ein vereinbarter Nachweis.
Je genauer die Qualitätsanforderungen beschrieben sind, desto eindeutiger lässt sich ihre Einhaltung prüfen.
Qualitätssicherung bei STEBA
Die STEBA GmbH fertigt Rohrschellen, Rohrhalter, Rohrschlitten sowie projektspezifische Rohrbefestigungen vom Einzelteil bis zur Serie. Die Fertigung umfasst unter anderem Schneiden, Stanzen, Lochen, Biegen, Pressen, verschiedene Schweißverfahren sowie Oberflächenbearbeitung und Beschichtung.
Abhängig vom Projekt können Maß- und Sichtprüfungen, Kontrollen von Bohrbildern und Anschlussmaßen, Prüfungen definierter Schweißmerkmale, Kennzeichnungen, Materialnachweise, Prüfprotokolle und Abnahmeprüfzeugnisse vorgesehen werden.
Gerade bei Sonderkonstruktionen empfiehlt es sich, Zeichnung, Werkstoff, Stückzahl, Oberfläche sowie benötigte Prüf- und Dokumentationsanforderungen bereits mit der Anfrage zu übermitteln.
FAQ zur Qualitätssicherung bei Rohrschellen und Rohrhaltern
Was wird bei einer Rohrschelle geprüft?
Je nach Ausführung werden beispielsweise Rohranschlussmaß, Biegegeometrie, Materialstärke, Laschen, Lochdurchmesser, Lochabstände, Werkstoff und Oberfläche geprüft.
Welche Maße sind bei einem Rohrhalter besonders wichtig?
Häufig sind Bauhöhe, Rohrposition, Steghöhe, Lochbilder, Anschlussplatten und Anschlussmaße besonders relevant. Die tatsächlich kritischen Maße ergeben sich jedoch aus der jeweiligen Konstruktion.
Muss jede Rohrschelle vollständig vermessen werden?
Nicht grundsätzlich. Der Prüfumfang hängt von Stückzahl, Fertigungsverfahren, Bedeutung des Merkmals und den vereinbarten Qualitätsanforderungen ab. Bei Serien können beispielsweise definierte Prüfintervalle oder Stichproben vorgesehen werden.
Wie werden Schweißnähte an Rohrhaltern geprüft?
Die Prüfung kann je nach Anforderung unter anderem eine Sichtkontrolle von Position, Nahtverlauf und äußeren Merkmalen umfassen. Bei besonderen Anforderungen können weitergehende Prüfungen festgelegt werden.
Warum ist der Werkstoff Teil der Qualitätssicherung?
Ein geometrisch korrektes Bauteil kann ungeeignet sein, wenn der falsche Werkstoff eingesetzt wurde. Materialzuordnung und gegebenenfalls entsprechende Nachweise gehören deshalb zu einer vollständigen Qualitätsbetrachtung.
Was ist ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1?
Ein Abnahmeprüfzeugnis 3.1 nach EN 10204 dokumentiert definierte Angaben zum gelieferten Erzeugnis beziehungsweise Werkstoff entsprechend den Anforderungen der Norm. STEBA bietet Rohrhalter und projektspezifische Fertigungen auf Wunsch mit einem 3.1-Zeugnis an.
Sind Materialnachweise und Prüfprotokolle möglich?
Ja. Je nach Projekt können Materialnachweise, Prüfprotokolle, Kennzeichnungen und weitere technische Dokumentationen vereinbart werden.
Warum müssen Prüfanforderungen bereits bei der Bestellung feststehen?
Nur dann können Materialbeschaffung, Kennzeichnung, Fertigungsprozess, Rückverfolgbarkeit und Dokumentation von Beginn an auf die benötigten Nachweise abgestimmt werden.
Welche Qualitätsanforderungen sind bei Offshore-Rohrbefestigungen besonders wichtig?
Neben der geometrischen und mechanischen Ausführung spielen dort insbesondere Werkstoff, Korrosionsschutz, Oberflächenqualität, projektspezifische Konstruktion und Dokumentation eine wichtige Rolle.
Wie lässt sich die Qualität einer Serienfertigung sicherstellen?
Entscheidend ist die reproduzierbare Einhaltung der festgelegten Merkmale. Dazu können Erstteilprüfungen sowie definierte Prüfungen während der laufenden Fertigung eingesetzt werden.