Rohrschellen für industrielle Anwendungen müssen weit mehr leisten als eine Rohrleitung lediglich in Position zu halten. Sie sind Bestandteil des gesamten Befestigungs- und Tragsystems und müssen auf Rohrdurchmesser, auftretende Lasten, Temperatur, Bewegungen, Werkstoff und Einbausituation abgestimmt werden.
Entsprechend unterschiedlich fallen die Anforderungen im Anlagenbau, Rohrleitungsbau, Maschinenbau, Schiffbau oder in energie- und verfahrenstechnischen Anlagen aus. Während für eine Anwendung eine standardisierte Rohrschelle ausreicht, werden in anderen Projekten Sonderabmessungen, bestimmte Werkstoffe, definierte Oberflächen oder vollständig nach Zeichnung gefertigte Bauteile benötigt.
Die steba GmbH entwickelt und fertigt Rohrschellen für industrielle Rohrbefestigungen aus Stahl und Edelstahl. Neben standardisierten Ausführungen sind Sondergrößen, Zwischenmaße und kundenspezifische Konstruktionen nach Zeichnung, Muster oder Werksnorm möglich.
Welche Aufgaben übernehmen Rohrschellen in industriellen Anlagen?
Eine Rohrschelle verbindet die Rohrleitung mit einer Trag-, Halte- oder Führungskonstruktion. Welche Kräfte dabei aufgenommen oder übertragen werden müssen, hängt von der jeweiligen Anlage ab.
Zu berücksichtigen sind unter anderem:
- Eigengewicht der Rohrleitung
- Gewicht des transportierten Mediums
- Gewicht von Isolierungen und Anbauteilen
- statische und dynamische Belastungen
- Schwingungen und Vibrationen
- temperaturbedingte Bewegungen
- Montage- und Betriebslasten
- Kräfte aus angeschlossenen Komponenten
Eine industrielle Rohrschelle sollte deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Sie ist Bestandteil eines kompletten Systems aus Rohrleitung, Befestigung, Tragkonstruktion und gegebenenfalls beweglichen Lagerelementen.
Einen übergeordneten Überblick über unterschiedliche Befestigungsarten bietet der Bereich Rohrbefestigung.
Anforderungen an Rohrschellen für industrielle Anwendungen
Die richtige Ausführung ergibt sich aus den konkreten Betriebsbedingungen. Rohrdurchmesser und Abmessungen sind dabei nur zwei von mehreren Auswahlkriterien.
Mechanische Belastung
Eine Rohrschelle muss die für ihren Einsatz vorgesehenen Kräfte zuverlässig aufnehmen beziehungsweise an die anschließende Konstruktion übertragen.
Neben dem Gewicht des Rohres können zusätzliche Belastungen entstehen. Große Nennweiten, schwere Medien, Armaturen, Isolierungen oder dynamische Beanspruchungen verändern die Anforderungen an Materialstärke, Abmessungen und Konstruktion.
Bei anspruchsvollen Projekten sollte deshalb nicht allein anhand des Rohrdurchmessers ausgewählt werden.
Temperatur und Längenausdehnung
Temperaturänderungen führen bei Rohrleitungen zu Längenänderungen. Insbesondere bei langen Leitungsabschnitten oder hohen Temperaturdifferenzen können daraus erhebliche Bewegungswege und Kräfte entstehen.
Die Rohrschelle ist dann Teil eines Befestigungskonzepts, das beispielsweise Festpunkte, Führungspunkte oder bewegliche Lagerungen umfasst.
Wenn kontrollierte Bewegungen der Rohrleitung erforderlich sind, kommen zusätzlich Rohrschlitten beziehungsweise Gleit- und Führungselemente zum Einsatz.
Schwingungen und dynamische Beanspruchung
Pumpen, Verdichter, Maschinen oder wechselnde Betriebszustände können Schwingungen in ein Rohrleitungssystem einleiten. Dadurch entstehen andere Anforderungen als bei einer ausschließlich statisch belasteten Rohrleitung.
Konstruktion, Befestigungspunkte und gegebenenfalls Einlagen müssen deshalb zur tatsächlichen Beanspruchung passen.
Korrosionsbelastung
Feuchtigkeit, Chemikalien, salzhaltige Luft, Außenaufstellung oder regelmäßige Reinigungsprozesse beeinflussen die Werkstoff- und Oberflächenwahl.
Je nach Umgebung kommen beispielsweise Stahl mit geeigneter Oberflächenbehandlung oder unterschiedliche Edelstahlgüten infrage. Entscheidend ist die Kombination aus mechanischer Anforderung und tatsächlicher Korrosionsbelastung.
Weitere Informationen finden Sie unter Korrosionsschutz bei Rohrschellen.
Rohrschellen aus Stahl oder Edelstahl
Zu den häufig eingesetzten Werkstoffgruppen für industrielle Rohrschellen gehören Stahl und Edelstahl. Beide bieten unterschiedliche Eigenschaften und Einsatzmöglichkeiten.
Rohrschellen aus Stahl
Stahl eignet sich für zahlreiche klassische Industrieanwendungen und lässt sich in unterschiedlichen Materialstärken und Bauformen verarbeiten.
Abhängig von den Umgebungsbedingungen kann die Oberfläche beispielsweise gestrahlt, grundiert, lackiert oder verzinkt werden.
Damit lässt sich der Korrosionsschutz gezielt an die vorgesehene Anwendung anpassen.
Rohrschellen aus Edelstahl
Edelstahl wird insbesondere dort eingesetzt, wo erhöhte Anforderungen an Korrosionsbeständigkeit oder die Umgebungsbedingungen gestellt werden.
Typische Anwendungen finden sich unter anderem in maritimen Bereichen, Prozessanlagen, Außenbereichen sowie in Anlagen mit besonderen Hygiene- oder Reinigungsanforderungen.
Welcher Werkstoff geeignet ist, muss jedoch immer anhand der konkreten Einsatzbedingungen beurteilt werden.
Unterschiedliche Bauformen für unterschiedliche Aufgaben
Eine universelle Rohrschelle für sämtliche Industrieanwendungen gibt es nicht. Schon innerhalb einer Anlage können sehr unterschiedliche Ausführungen erforderlich sein.
Typische Varianten unterscheiden sich beispielsweise hinsichtlich:
- Rohrdurchmesser
- Materialstärke
- Breite
- Anschlussgeometrie
- Lochbild
- Schraubenabmessungen
- Werkstoff
- Oberfläche
- Einlage
- Befestigungsart
Neben standardisierten Bauformen werden deshalb häufig projektspezifische Varianten eingesetzt.
Gerade bei vorhandenen Konstruktionen, besonderen Rohrdurchmessern oder definierten Anschlussmaßen kann eine Anpassung an die reale Einbausituation wirtschaftlicher und technisch sinnvoller sein als die nachträgliche Anpassung eines Standardbauteils.
Rohrschellen nach DIN, Werksnorm oder Zeichnung
In industriellen Projekten ergeben sich die Anforderungen an Rohrschellen aus unterschiedlichen Vorgaben.
Standardisierte Rohrschellen können nach entsprechenden Normen oder festgelegten Bauformen gefertigt werden. Viele Unternehmen arbeiten zusätzlich mit eigenen Werksnormen und definierten Bauteilstandards.
Bei Sonderkonstruktionen erfolgt die Fertigung dagegen häufig anhand einer technischen Zeichnung oder vorhandener CAD-Daten.
Entscheidend ist, dass Fertigungsgrundlage und technische Anforderungen eindeutig definiert sind.
Zu den relevanten Angaben gehören beispielsweise:
- Rohrdurchmesser
- Abmessungen der Rohrschelle
- Material und Materialgüte
- Materialstärke
- Bohrungen und Anschlussmaße
- Oberfläche
- Schrauben und Zubehör
- Stückzahl
- Kennzeichnungen
- Dokumentationsanforderungen
Die steba GmbH fertigt sowohl standardisierte Rohrschellen als auch Sondergrößen und individuelle Ausführungen nach Kundenvorgabe.
Rohrschellen für den Anlagenbau
Im industriellen Anlagenbau treffen häufig unterschiedliche Rohrleitungssysteme, Medien, Temperaturen und konstruktive Anforderungen aufeinander.
Rohrschellen müssen hier zur jeweiligen Teilanlage und deren Tragkonstruktion passen. Neben klassischen Befestigungsaufgaben können beispielsweise besondere Einbausituationen, beengte Platzverhältnisse oder individuelle Anschlussgeometrien berücksichtigt werden.
Typische Einsatzbereiche sind:
- Produktionsanlagen
- Prozessanlagen
- Energieanlagen
- Versorgungsanlagen
- Maschinen- und Aggregateverrohrungen
- Kühl- und Heizsysteme
- Medienversorgung
- technische Infrastruktur
Insbesondere bei projektspezifisch konstruierten Anlagen steigt die Bedeutung individuell gefertigter Rohrbefestigungen.
Rohrschellen im industriellen Rohrleitungsbau
Im Rohrleitungsbau müssen Befestigungssysteme auf das gesamte Leitungskonzept abgestimmt werden.
Dabei geht es nicht nur darum, eine Leitung an einem bestimmten Punkt zu befestigen. Festpunkte, Führungen und bewegliche Lagerungen beeinflussen gemeinsam, wie sich die Rohrleitung unter Betriebsbedingungen verhält.
Rohrschellen können dabei unterschiedliche Funktionen innerhalb der Konstruktion übernehmen oder Bestandteil von Rohrhaltern und Rohrschlitten sein.
Besondere Bedeutung haben:
- definierte Befestigungspunkte
- Tragfähigkeit
- Bewegungsfreiheit
- Rohrführung
- Einbauhöhe
- Abstand zur Tragkonstruktion
- Montagefreundlichkeit
- Korrosionsschutz
Bei größeren Projekten sollten daher Rohrschellen und weitere Rohrbefestigungen als zusammenhängendes System geplant werden.
Zusammenspiel von Rohrschellen, Rohrhaltern und Rohrschlitten
Je nach konstruktiver Aufgabe werden unterschiedliche Bauteile zur Befestigung und Unterstützung einer Rohrleitung eingesetzt.
Eine Rohrschelle umfasst beziehungsweise fixiert das Rohr und schafft einen definierten Verbindungspunkt.
Rohrhalter verbinden die Rohrleitung mit einer Tragkonstruktion und können beispielsweise aus einer Rohrschelle mit angeschweißtem Steg oder einer individuellen Schweißkonstruktion bestehen.
Rohrschlitten tragen eine Rohrleitung und ermöglichen abhängig von ihrer Konstruktion definierte Bewegungen. Sie werden beispielsweise als Bestandteil von Gleitlagern, Führungslagern oder Festpunkten eingesetzt.
Die Übergänge zwischen den einzelnen Bauformen sind in industriellen Projekten daher häufig konstruktiv geprägt. Entscheidend ist nicht die Bezeichnung des Bauteils, sondern dessen technische Aufgabe im Rohrleitungssystem.
Wann sind Sonderanfertigungen sinnvoll?
Standardisierte Rohrschellen decken viele Anwendungen ab. Eine individuelle Fertigung wird interessant, sobald wesentliche Projektanforderungen von üblichen Bauformen abweichen.
Typische Gründe sind:
- ungewöhnliche Rohrdurchmesser
- Zwischenmaße
- besondere Materialstärken
- abweichende Lochbilder
- eingeschränkter Bauraum
- besondere Anschlussgeometrien
- erhöhte Belastungen
- spezielle Werkstoffe
- definierte Oberflächen
- vorhandene Werksnormen
- Ersatz bestehender Sonderbauteile
Auch bei älteren Anlagen oder Retrofit-Projekten kann es erforderlich sein, vorhandene Befestigungen anhand von Zeichnungen oder Mustern nachzufertigen.
Mehr dazu finden Sie unter Sonderanfertigungen im Rohrleitungsbau.
Einzelteile, Kleinserien und Serien
Der Bedarf an industriellen Rohrschellen reicht vom einzelnen Ersatzteil bis zu hohen Stückzahlen für wiederkehrende Anlagen oder Serienprojekte.
Gerade bei Sonderteilen ist deshalb wichtig, dass der Fertigungsprozess unterschiedliche Losgrößen abbilden kann.
Möglich sind je nach Ausführung:
- Einzelanfertigungen
- Musterteile
- Kleinserien
- projektbezogene Stückzahlen
- wiederkehrende Serien
Bei wiederkehrendem Bedarf können eindeutig definierte Zeichnungen, Werkstoffvorgaben und Fertigungsparameter die Beschaffung weiterer Chargen deutlich vereinfachen.
Worauf sollten Unternehmen bei der Auswahl industrieller Rohrschellen achten?
Die Auswahl sollte von der tatsächlichen Anwendung ausgehen und nicht ausschließlich von Abmessung oder Preis.
Vor einer Anfrage sollten möglichst folgende Punkte geklärt sein:
- Welchen Rohrdurchmesser hat die Leitung?
- Welche Lasten treten auf?
- Ist Bewegung der Rohrleitung vorgesehen?
- Welche Temperaturen sind zu erwarten?
- Welche Umgebungsbedingungen bestehen?
- Welcher Werkstoff wird benötigt?
- Welche Oberfläche ist erforderlich?
- Gibt es eine Zeichnung oder Werksnorm?
- Welche Stückzahl wird benötigt?
- Welche Prüf- oder Dokumentationsanforderungen bestehen?
Je vollständiger diese Angaben vorliegen, desto genauer lässt sich beurteilen, welche Rohrschelle oder Rohrbefestigung für die Anwendung geeignet ist.
Auch typische Fehlentscheidungen bei der Auswahl lassen sich dadurch vermeiden. Ergänzende Hinweise finden Sie unter Typische Fehler bei der Auswahl von Rohrschellen.
Rohrschellen für industrielle Anwendungen von steba
Die steba GmbH fertigt Rohrschellen für industrielle Anwendungen in unterschiedlichen Größen, Werkstoffen und Ausführungen. Das Spektrum reicht von standardisierten Bauformen bis zu individuellen Rohrschellen nach Zeichnung, Muster oder projektspezifischer Vorgabe.
Neben Rohrschellen werden Rohrhalter, Rohrschlitten und weitere Komponenten für industrielle Rohrbefestigungssysteme gefertigt.
Damit können sowohl einzelne Bauteile als auch zusammenhängende Lösungen für Anlagen- und Rohrleitungsprojekte umgesetzt werden.
Für eine konkrete Anfrage sollten möglichst Rohrabmessungen, Zeichnung oder technische Vorgabe, Werkstoff, Oberfläche, Stückzahl und besondere Anforderungen angegeben werden.
FAQ zu Rohrschellen für industrielle Anwendungen
Welche Rohrschellen werden in der Industrie eingesetzt?
Welche Rohrschelle eingesetzt wird, hängt von Rohrdurchmesser, Last, Temperatur, Einbausituation und Umgebungsbedingungen ab. Neben Standardausführungen werden deshalb häufig individuell gefertigte Rohrschellen verwendet.
Sind Rohrschellen nach Zeichnung möglich?
Ja. Industrielle Rohrschellen können nach Kundenzeichnung, Werksnorm, Muster oder projektspezifischer Vorgabe gefertigt werden.
Gibt es Rohrschellen aus Edelstahl?
Ja. Rohrschellen können aus unterschiedlichen Stahl- und Edelstahlgüten gefertigt werden. Welcher Werkstoff geeignet ist, hängt von den mechanischen Anforderungen und der Korrosionsbelastung ab.
Wann benötigt man eine Sonderanfertigung?
Eine Sonderanfertigung ist insbesondere bei ungewöhnlichen Rohrdurchmessern, speziellen Anschlussmaßen, besonderen Belastungen, eingeschränktem Bauraum oder kundenspezifischen Werksnormen sinnvoll.
Können auch einzelne Rohrschellen gefertigt werden?
Abhängig von Ausführung und Fertigungsverfahren können Einzelteile, Kleinserien und größere Serien gefertigt werden.
Was ist der Unterschied zwischen Rohrschelle und Rohrhalter?
Die Rohrschelle umfasst beziehungsweise fixiert das Rohr. Ein Rohrhalter bezeichnet meist die weitergehende Konstruktion, die das Rohr mit einer Tragstruktur verbindet. Eine Rohrschelle kann deshalb Bestandteil eines Rohrhalters sein.
Welche Angaben benötigt ein Hersteller für eine Anfrage?
Besonders hilfreich sind Rohrdurchmesser, Zeichnung oder Skizze, Werkstoff, Oberfläche, Stückzahl, Belastungsdaten und gegebenenfalls Anforderungen an Prüfung, Kennzeichnung und Dokumentation.